Sport

Performance und Komfort – Renault Sport in der 90ern

Anfang der 90er Jahre ordnete die Welt sich neu. Von den zwei großen Machtblöcken hatte sich einer aufgelöst. Das Ende des Eisernen Vorhangs war zugleich der Startschuss der Globalisierung. Und das hieß: weltweite Möglichkeiten, aber auch weltweiter Wettbewerb. Renault war dafür mit einer modernen, attraktiven Modellpalette bestens aufgestellt – und stolz darauf. Als Zeichen des neuen Selbstbewusstseins kehrte das Unternehmen in die Formel 1 zurück und präsentierte einen nie dagewesenen Motor: den 3,5-Liter-V10. Wie rund zehn Jahre zuvor mit der Turbo-Technologie kreierte Renault mit dem Zehnzylinder auch diesmal einen Trend, den genau wie damals die gesamte Crème de la Crème des Motorsports kopierte. Vom Debüt 1989 bis zu seinem letzten Rennen Ende 1997 gewann Renault mit dem V10 sechsmal den Titel des Konstrukteursweltmeisters.


Traditionell strahlten die Erfolge in der Königsklasse auf die sportlichen Serienmodelle von Renault Sport ab. Als rassiges Flaggschiff der Straßensportler erschien 1991 das nächste pfeilschnelle Coupé mit legendärem Namen: die Renault Alpine A610. Klappscheinwerfer und seitliche Lufteinlässe waren die äußeren Attribute, ein 3,0-Liter-V6-Turbo mit 250 PS stand für die inneren Werte des Sportwagens. Damit sprintete die A610 in 5,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und rannte bis zu 265 km/h schnell. Innerhalb von rund drei Jahren sicherten sich knapp 900 Liebhaber diesen Traumwagen – dann endete die Heckmotorära bei Renault.


Dafür begann bei Renault Sport die Karriere des Clio als heißes Eisen in unzähligen Versionen. 1992 debütierte mit dem Clio 16V ein würdiger Nachfolger von Renault 5 Alpine und Co. Der für den Rallye-Einsatz konzipierte Kraftzwerg mobilisierte eine Leistung von 135 PS. Verbreiterte Kotflügel, der typische Motorhaubenbuckel über dem Ansaugtrakt und eine Abluftöffnung über dem Auspuffkrümmer boten die passende Optik dazu. Da der Clio 16V das erlaubte Hubraumlimit für die Rallye-Weltmeisterschaft von 2,0 Litern nicht ganz ausschöpfte, reichte Renault 1993 den zunächst auf 2.500 Exemplare limitierten Clio Williams nach – benannt nach dem ultraerfolgreichen Formel 1-Partnerteam. Der Clio Williams schöpfte aus 1.998 Kubikzentimetern 150 PS – genug für einen Spurt in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der bei Alpine in Dieppe gebaute Bolide erwies sich als ein solcher Bestseller, dass Renault zwei weitere Serien nachschob.

Für Puristen, denen ein Clio Williams nicht extrem genug war, zog Renault 1995 ein Ass aus dem Ärmel, das durch sein radikales Konzept unverzüglich Ikonen-Status errang: den Spider Renault Sport. Mittelmotor, Rennfahrwerk, Leichtbauweise, nach oben schwenkende Flügeltüren und Verzicht auf jede Form von Komfort machten den ultraflachen Zweisitzer zum Suchtmittel für Motor-Puristen und Kurvenhungrige. Eine Windschutzscheibe gab es nur gegen Aufpreis, sonst musste der flache Windabweiser vor dem Cockpit reichen. Als Triebwerk kam der überarbeitete 2-Liter-Vierzylinder des Clio Williams zum Einsatz. Übrigens trug der Spider Renault Sport als erstes Straßenfahrzeug das Emblem „Renault Sport“ und begründete damit eine bis heute andauernde Tradition.


Als 1999 die Fertigung des Spiders auslief, stand mit dem Clio Renault Sport gleich das nächste Performance-Modell „made in Dieppe“ am Start. Auf Basis des ein Jahr zuvor präsentierten Clio II blieb er äußerlich zurückhaltend, erwies sich mit dem jetzt 169 PS starken Leichtmetall-Vierzylinder des Clio 16V jedoch schnell als Sprint- und Kurvenkönig. Klar, dass der Clio Renault Sport 2.0 bald zum neuen Renngerät für den legendären Markenpokal erhoben wurde.


Doch im Clio steckte noch weit mehr: Auf dem Pariser Automobilsalon 1998 sorgte eine Studie mit Mittelmotor und brachial verbreiterter Karosserie für Aufsehen, die an den unvergessenen Renault 5 „Backenturbo“ erinnerte: der Clio V6. Renault gab dem Drängen der Fans gerne nach und beauftragte die Rennwagenschmiede TWR (Tom Walkinshaw Racing) mit dem Bau des Clio Renault Sport V6. Für eindrucksvollen Vortrieb sorgte ein quer hinter Fahrer- und Beifahrersitz eingebautes, 226 PS starkes 3,0-Liter-V6-Triebwerk mit 24 Ventilen. Der Sechszylinder aus dem Renault Laguna katapultierte das Kraftpaket in 6,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.


Dabei schaffte der Clio Renault Sport V6 einen interessanten Spagat: Das Sportfahrwerk mit McPherson-Federbeinen rundum, die AP-Rennbremsanlage mit innenbelüfteten Scheibenbremsen sowie die voluminösen Kühlluftöffnungen an den Flanken standen für echte Rennsportgene. Die Passagiere der „zivilen“ Versionen, die nicht auf der Rennstrecke eingesetzt wurden, mussten dennoch auf kaum einen Komfort verzichten: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Leder- und Alcantarabezüge sowie Audioanlage mit Sechsfach-CD-Wechsler gehörten zur Serienausstattung. Eine echte Pionierleistung, ist es doch diese Kombination aus Performance und Komfort, die bis heute jedes Model aus der Palette von Renault Sport kennzeichnet.


(Stand 06/2010, Irrtümer vorbehalten)

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