Sport

Gegen die grosse Sachlichkeit – Renault Sport in der 80ern

Selten wurden vermeintliche Wahrheiten so gründlich über den Haufen geworfen: In den 80er Jahren mussten Autos glattflächig und vernünftig sein, die Umgangsformen cool und distanziert und die Teilung der Welt war buchstäblich betoniert. Umso schöner, dass sich alle diese „gesicherten“ Erkenntnisse bis zum Ende des Jahrzehnts in Wohlgefallen auflösten.


Wie als Gegenbewegung zu den überbordenden 70ern hatten sich die 80er dem geradlinigen, statischen Design verschrieben. Dass es dabei durchaus bunt zugehen durfte, belegen nicht nur die aus heutiger Sicht schrillen Musikvideos, sondern auch ein Markenartikel, der Coolness zum Prinzip erhob: 1983 kamen die ersten Swatch-Armbanduhren auf den Markt.

Bei Renault herrschte dagegen großer Sport statt stilisierter Kühle: Inspiriert von den sensationellen Erfolgen in der Formel 1 entwickelte Renault Sport auf Basis bewährter Serienmodelle zahlreiche lustbetonte, technologisch hochstehende und dabei stets sichere Alltagssportler. Mit Vorliebe bildete der Renault 5 den Ausgangspunkt. Der „Kleine Freund“ mutierte 1980 zum Renault 5 Turbo mit 160 PS starkem Mittelmotor und rund 20 Zentimeter verbreiterten Kotflügeln. Der „Backen-Turbo“ sprintete in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h – und zu Siegen in der Rallye-Weltmeisterschaft.


Mit weniger exotischen Materialien, aber genauso viel Sportwagen-Biss trat 1983 der preisgünstigere Renault 5 Turbo 2 in die Fußstapfen des Extremsportlers. Übrigens nutzte Renault das gesamte „Hinterteil“ des Rallye-Tieres 1981 zur Verfeinerung der Alpine A310, die dank Hinterachse, Bremsen und Rädern des Renault 5 Turbo über elf Zentimeter in die Breite wuchs und 225 km/h schnell wurde.


Als Turbopionier in der Formel 1 gönnte Renault 1981 dem R5 Alpine eine Leistungskur per Abgasturbolader auf 108 PS. Ehrensache, dass auch nach dem Modellwechsel zum „Supercinq“ 1984 gleich ein Modell mit Aufladung erschien: Der Renault 5 GT Turbo schöpfte aus 1,4 Litern Hubraum 115 PS und rannte fast 200 km/h Spitze. 1987 stellte Renault ihm den R5 GTE mit 1,7-Liter-Saugmotor und 94 PS zur Seite. Ob Alpine, Turbo, GTE oder sonstige Versionen – in sämtlichen „heißen“ Varianten mit bis zu 195 PS diente der Renault 5 bis 1990 als Basisgerät für den gleichnamigen Markenpokal.


Die Ehre des ersten Turbos der Marke gebührte jedoch dem Renault 18, der 1980 in aufgeladener Version erst 110, ab 1983 dann sogar 125 PS mobilisierte. Noch mehr Turbo-Power bot der 1983 erschienene Renault Fuego Turbo. Das Coupé knackte dank 132 PS aus dem 1,6-Liter-Triebwerk fast die magische 200-km/h-Schallmauer.


Wenn die Großserienmodelle von Renault schon solche Fahrleistungen an den Tag legten, waren die PS-Zauberer der Tochterfirma Alpine in Dieppe erst recht gefordert. Anfang 1985 präsentierten sie die neue Alpine V6 GT, die mit dem aus dem Vorgängermodell bekannten 2,7-V6 und 160 PS schon gut bestückt war. Aber Stillstand ist bekanntlich Rückschritt, und da Renault einen standesgemäßen Turbo im Programm hatte, erschien 1987 zusätzlich die Alpine V6 Turbo mit dem 2,5-Liter-V6-Motor aus dem Renault 25 – der in dem messerscharf gezeichneten Coupé volle 200 PS lieferte.


Genau wie heute ergänzte auch in den Turbo-Jahren spektakulärer Motorsport die rassigen Renault Sport Serienmodelle. So wurde der bereits in Straßenversion 175 PS starke Renault 21 Turbo auf rund 300 PS getunt und im Renault Europa-Cup um die Rennstrecken gejagt. Ab 1988 mischte dann ein 430 PS starker und rund 290 km/h schneller Rennwagen die französische „Superproduction“-Tourenwagenserie auf. Im selben Jahr stellte ein Renault 21 Turbo einen ganz besonderen Geschwindigkeits-Weltrekord auf: Bei 250,6 km/h auf Eis glühte die Piste …


Während Ende der 80er auch in der Weltpolitik das Eis zwischen den Supermächten zu schmelzen begann, arbeitete Renault Sport bereits an der nächsten Revolution. Die Turbo-Ära in der Formel 1 ging zu Ende, und so sollten auch für die Seriensportler von Renault bald neue Zeiten anbrechen.

 


(Stand 04/2010, Irrtümer vorbehalten)

Facebook

Die Renault R.S. Monitor iPhone App