Sport

Bunte, schnelle 70er – auf der Strasse und im Rennsport

Bunt, bisweilen schrill, gaben sich die 70er Jahre: die spitzesten Hemdkragen, die längsten Haare, die weitesten Schlaghosen. Und zweifellos bot dieses Jahrzehnt auch die größte Auswahl an – wie es damals hieß – „poppigen“ Autolackierungen.


Bunt trieb es auch Renault im Motorsport der 70er Jahre: Die „Blauen Reiter“ in der Rallye-Weltmeisterschaft und der „Gelbe Teekessel“ in der Formel 1 sorgten für Aufsehen. Zugleich fand die Marke die richtigen Rezepte für die aufziehende Ölkrise – aber der Reihe nach.

Kurz nachdem 1972 der erste Airbus, ein A300, zum Jungfernflug gestartet war, begann für Renault ein sportlicher Höhenflug: In der Rallye-Weltmeisterschaft fuhr die Marke mit den flachen, blauen Alpine A110 von Sieg zu Sieg. 1973 bescherten die „Blauen Reiter“ Jean-Claude Andruet und Jean-Luc Thérier Renault den Titel des Konstrukteurs-Weltmeisters. Im selben Jahr gewann der Prototyp Alpine A441 die Sportwagen-Europameisterschaft – ein erfolgreicher Testlauf für das nächste große Ziel, die „24 Stunden von Le Mans“. 1978 eroberte Renault auch dort den ersehnten Gesamtsieg.


Bei den Serienmodellen stand Anfang der 70er erst einmal die Sparsamkeit im Vordergrund. Die „Ölscheichs“ hatten ihre Fördermengen reduziert und damit die Kraftstoffpreise in die Höhe getrieben. Der 1972 erschienene Renault 5 erwies sich als das perfekte Auto für diese Ära – aber auch als großartige Basis für kostengünstige, sportliche Ableger. So feierte Renault Sport seine eigene Gründung und den Bau eines neuen Werks am Alpine-Stammsitz Dieppe mit dem Renault 5 Alpine. Mit seinen 93 PS stellte er alles in den Schatten, was sich im Kompaktsegment bis dahin „sportlich“ nannte.  Übrigens baut Renault bis heute seine besonders sportlichen Modelle wie Clio R.S. oder Mégane Coupé R.S. am Standort Dieppe.


Apropos Twingo: Für „heiße“ Straßensportler auf der Basis bewährter Serienmodelle wie den heutigen Twingo Gordini R.S. war auch damals die legendäre Werkstatt von Amédée Gordini zuständig, die Renault 1969 übernommen hatte. Mit dem Renault 12 Gordini erschien 1970 der legitime Nachfolger des kultigen „8ers“. Durch den Frontantrieb deutlich gutmütiger, mit dem 115 PS-Triebwerk aus dem Renault 16 aber klar kräftiger als sein Vorgänger, eroberte der Viertürer in blau-weißer „Kriegsbemalung“ die Herzen der sportlichen Renault Fans. Vier Scheibenbremsen, die vorderen sogar innenbelüftet, zeugten von ernsthaften Renn-Ambitionen – die der Renault 12 Gordini im Markenpokal „Coupe Gordini“ reichlich ausleben durfte.


Als echtes Kind der Style-bewussten 70er Jahre gab sich der nächste Coup von Renault Sport: der 1974 präsentierte Renault 17 Gordini. Das sportliche Coupé bezog sein Flair aus einer mächtigen C-Säule, verkleidet mit einem mattschwarzen Kunststoffgitter. Als technisches Highlight brachte er die elektronische Benzineinspritzung mit, die den 1,6-Liter-Motor zu 108 PS beflügelte.


In Dieppe hatten die Ingenieure zwischenzeitlich an einem „großen Bruder“ der filigranen Alpine A110 getüftelt. Das Ergebnis besaß weiterhin Heckmotor, Gitterrohrrahmen und Kunststoffkarosserie, galt aber als echter 2+2-Sitzer: die 1971 präsentierte Alpine A310. Der endgültige Durchbruch gelang dem Coupé im Stil italienischer Supersportwagen 1977, nachdem der prestigeträchtige und 150 PS starke 2,7-Liter-V6 aus dem Renault 30 TS im bulligen Heck röhrte.

Auf der Rennstrecke bereitete derweil ein halb so großer V6 eine wahre Revolution vor: der 1,5-Liter-Turbo des neuen Formel 1-Projekts von Renault. Nur kurz wurde dieses Triebwerk wegen der Dampfwolken, die bei der rustikalen Kühlung per Wassereimer in der Box entstanden, als „Gelber Teekessel“ verspottet. Denn die von Renault eingeführte Turbo-Technologie erwies sich bald als unschlagbar – und das Zischen des „Teekessels“ als Anpfiff für eine technische Umwälzung, der sich kein Automobilhersteller entziehen konnte.


(Stand 02/2010, Irrtümer vorbehalten)

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