Sport

Renault in der Formel 1: 30 Jahre Triumph

16. Juli 1977. Die Formel 1-Fans im britischen Silverstone fieberten dem Großen Preis von Großbritannien entgegen. Dass sie Augen- und Ohrenzeuge eines historischen Meilensteins in der Geschichte des schnellsten Sports der Welt werden würden, ahnten zu diesem Zeitpunkt nur die wenigsten von ihnen. Und doch läutete der gelbe, von Jean-Pierre Jabouille gesteuerte Rennwagen - der dank seiner zischenden Arbeitsgeräusche alsbald den Spitznamen „Teekessel" erhielt - eine neue Ära ein: die Erfolgsgeschichte von Renault im Grand Prix-Sport. Drei Jahrzehnte später darf die Marke mit der Rhombe auf acht Konstrukteurs- und sieben Fahrer-WM-Titel, 299 Podiumsplätze, 154 Pole Positions und 113 Rennsiege zurückblicken.

Zugleich steht der Name Renault für technologische Innovationen. Dies begann bereits 1977: Der furchterregend fauchende „Teekessel" war der erste Turbo-getriebene Formel 1-Bolide aller Zeiten - auch wenn die Konkurrenz über das neue Konzept angesichts der zahlreichen Kinderkrankheiten und spektakulären Motorschäden zuerst noch lächelte. Die Probleme waren mannigfaltig. So leistete der gerade 1,5 Liter große Vierzylinder bei vollem Ladedruck zwar 500 PS, rutschte die Drehzahl jedoch in den Keller, standen kaum mehr als 150 PS zur Verfügung. Und der bei voller Beschleunigung dann folgende Leistungseinsatz war, vorsichtig gesagt, mit „explosiv" noch unzulänglich beschrieben ...

 

Doch die französischen Ingenieure rund um Motoren-Guru Bernard Dudot ließen sich von den Rückschlägen nicht entmutigen. Am 1. Oktober 1978 durften sie den ersten zählbaren Erfolg in die Unternehmenszentrale nach Paris funken: erste WM-Punkte, errungen beim Großen Preis der USA-Ost in Watkins-Glen. 1979 setzten die PS-Tüftler statt auf einen bereits auf zwei Turbolader, die „Gelben" nahmen Schwung auf: Pole Position beim Grand Prix von Südafrika in Kyalami. Und beim Heimspiel, dem Großen Preis von Frankreich in Dijon, feierte Renault dann den Durchbruch: den ersten Sieg. Die Turbo-Technologie hatte sich durchgesetzt. Schon bald sollten die Leistungszahlen die 1000-PS-Marke knacken.

Renault erlebte eine sehr erfolgreiche Zeit, auch wenn der ganz große Traum - die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft - dem Werksteam in der ersten Formel 1-Ära des Unternehmens noch verwehrt blieb. Ab 1983 rüstete Renault zusätzlich das Team Lotus sowie später auch Tyrrell und Ligier aus. Ende 1985 zog sich der eigene Rennstall aus der Formel 1 zurück.

Angesichts der weiter voranschreitenden Leistungseskalation ließ das Verbot aufgeladener Aggregate nicht lange auf sich warten. Mit dem Abschied der Turbos 1989 war Renault wieder zurück: als Motorenpartner des Teams Williams. Erneut sorgten die Franzosen für eine technologische Innovation: Ihre 3,5 Liter großen Zehnzylinder besaßen eine hydraulische Ventilsteuerung - und ermöglichten Drehzahlen, wie sie bislang im Automobilsport nicht bekannt waren und irgendwann sogar bei über 20.000 Touren ankommen sollten. Die Folge: eine unvergleichliche Siegesserie, die noch im Debütjahr mit dem Erfolg des Belgiers Thierry Boutsen in Kanada begann. Schon bald folgten WM-Titel in Folge: fünf Konstrukteurs-Weltmeisterschaften für Williams-Renault (1992, 1993, 1994, 1996 und 1997), einer für Benetton-Renault (1995) und Fahrer-Kronen für Nigel Mansell (1992), Alain Prost (1993), Michael Schumacher (1995), Damon Hill (1996) und Jacques Villeneuve (1997). Damit zog sich Renault zum zweiten Mal aus der Formel 1 zurück - als Motorenhersteller hatte die französische Marke alles bewiesen, was es zu beweisen gab.
 
Und doch war eine Baustelle noch immer offen: der Konstrukteurs-Titel als reines Werksteam. 2001 nahm Renault diese Aufgabe in Angriff. Zunächst kehrte der Konzern als Motorenausrüster des Teams Benetton in den Grand Prix-Sport zurück, um den im britischen Enstone beheimateten Rennstall zu Beginn der Saison 2002 komplett zu übernehmen. Die Zehnzylinder - die zunächt ein revolutionäres Weitwinkelkonzept aufwiesen - steuerte weiterhin der Motoren-Workshop in Viry-Châtillon vor den Toren von Paris bei.

Wieder zeigte die Leistungskurve der Werks-Equipe schnell nach oben. 2003 in Ungarn errang Fernando Alonso als jüngster Formel 1-Fahrer aller Zeiten den ersten Sieg, Renault beendete das Jahr auf Rang vier der Markenwertung. Zwölf Monate später sprang bereits der dritte Platz heraus. Und 2005 gelang der große Durchbruch: WM-Titel für Renault und Fernando Alonso - ein Erfolg, den die Mannschaft von Teamchef Flavio Briatore in der darauf folgenden Saison spontan wiederholte. Aufgabe gleich doppelt erfüllt.

Drei erfolgsverwöhnte Jahrzehnte als Technologie-Pionier in der Formel 1 - und ein Ende des Engagements von Renault ist derzeit nicht abzusehen. Denn die Lust am Siegen zählt ebenso zum Erbgut dieses Konzerns wie der Wille zum Wettbewerb - eine Tradition, die immerhin bis in die Keimzelle des Unternehmens zurück reicht. Bereits Firmengründer Louis Renault hatte ab 1899 den Absatz seines ersten Automobils, der „Voiturette", durch Aufsehen erregende Siege bei den größten Rennen seiner Epoche angekurbelt.

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