Sport

Ein Jahrhundert Grand Prix-Siege Mit Renault

Als Ferenc Szisz am 26. Juni 1906 mit seinem Rennwagen an den Start rollte, konnte der gebürtige Ungar nicht ahnen, dass er Motorsport-Geschichte schreiben und für seinen Arbeitgeber den Grundstein zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte legen würde: Der damals 33-Jährige Ingenieur gewann am Steuer seines Renault AK 90 CV den „Großen Preis von Frankreich“ – nichts weniger als der erste Grand Prix in der Historie des Rennsports. 100 Jahre später schließt sich der Kreis: Der „Créateur d'Automobiles“ schickt sich an, seine 2005 errungenen Formel 1-Weltmeistertitel zu verteidigen …

Mit dem Grand Prix-Sport von heute hatte der Große Preis von Frankreich allerdings noch wenig gemeinsam. Sein Format ähnelt eher modernen Langstrecken-Rallyes. Absolvieren Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella – die Piloten des Renault F1 Teams – pro Rennen eine Distanz von gut 300 Kilometern, so stand Szisz und seinem „Schmiermaxe“ Marteau im Juni vor einem Jahrhundert eine ganz andere Herkulesaufgabe bevor: Zwölf Runden, sechs an jedem der beiden Renntage, galt es auf dem 103,18 Kilometer langen Dreieckskurs mit Start- und Ziel nahe der französischen Provinz-Metropole Le Mans zu absolvieren – bei nicht weniger als 40 Grad Außentemperatur eine immense Belastung über immerhin 1248 Kilometer.

Auch der Renault 90 CV des ungarischen Werksfahrers könnte im Vergleich zum Renault R26, der fünf der sieben ersten Saisonläufe 2006 gewonnen hat, kaum unterschiedlicher sein – mit einer Ausnahme: Beide Fahrzeuge stellen zu ihrer Zeit die Spitze der Technologie dar. Schöpfen moderne Grand Prix-Boliden mehr als 700 PS aus 2,4 Liter Hubraum, so entwickelte das historische Vorbild 90 PS aus einem mächtigen Hubvolumen von 13 Litern – zulässig wären sogar bis zu 18,3 Liter gewesen. Dreht der aktuelle RS26-Achtzylinder fast 20.000 Touren, erreichte der aus zwei Blöcken bestehende Gußeisen-Vierzylinder von damals seine Höchstleistung bei 1.200 Umdrehungen. Dürfen die heutigen Kohlefaser-Rennwagen inklusive Fahrer nicht weniger als 605 Kilogramm auf die Waage bringen, so galt vor 100 Jahren ein Maximalgewicht, das der auf einem Stahlrahmen basierende 90 CV mit nur 990 Kilogramm allerdings klar unterbot. Gebremst wurden nur die Hinterräder. Dafür besaß der Grand Prix-Rennwagen erstmals hydraulische Stoßdämpfer und eine Hochspannungs-Magnetzündung von Bosch – Hightech anno 1906.

Den Rennverlauf prägte jedoch eine weitere technische Innovation: abnehmbare und damit leicht wechselbare Radfelgen, die bereits damals Entwicklungspartner Michelin beisteuerte – angesichts der seinerzeit vorherrschenden Straßenverhältnisse ein unschätzbarer Vorteil, denn Reifenschäden gehörten zu den unvermeidlichen Begleiterscheinungen. Nur noch vier Minuten brauchte der geübte Szisz gemeinsam mit seinem Copiloten für einen Radwechsel, gut ein Viertel der sonst üblichen Zeit für das Ab- und Wiederaufziehen konventioneller Schläuche und Decken.

 

Kaum verwunderlich, dass der seit 1900 in Renault Diensten stehende Ungar nach den ersten Reifenwechseln in Runde drei die Führung übernahm und bis ins Tagesziel auf einen Vorsprung von 26 Minuten ausbaute. Gleich nach dem Restart am Morgen des 27. Juni tauschte Szisz die Pneus erneut, ohne seine Spitzenposition einzubüßen. Dank seiner besonnenen, die Technik schonenden Fahrweise und einer beeindruckenden Höchstgeschwindigkeit von bis zu 154 km/h (!) setzte er sich immer weiter vom 32 Fahrzeuge umfassenden Teilnehmerfeld ab. Als er nach insgesamt 12:14.07 Stunden die Ziellinie überquerte, lag er souverän mit 32 Minuten vorn. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit von 101,19 km/h galt zur damaligen Zeit als Sensation.


Mit diesem Erfolg wurde Szisz über Nacht in Frankreich und dem übrigen Europa berühmt. Renault blieb dem Motorsport auch weiterhin eng verbunden, wie zum Beispiel der Gewinn des ersten Rallye-WM-Titels 1973 beweist. 1977 stieg der französische Konzern erstmals in die moderne Formel 1 ein und löste mit dem Turbo-Konzept eine technologische Trendwende aus. Als 1987 die Motoraufladung – die zwischenzeitlich in Leistungs-Explosionen bis über 1200 PS gegipfelt war – verboten wurde, wies Renault mit Zehnzylindern und hydraulischer Ventilsteuerung erneut die Richtung. Sechs Konstrukteurs- und fünf Fahrer-WM-Titel waren die Folge. Seit 2002 engagiert sich Renault wieder mit einem eigenen Werksteam in der Königsklasse des Motorsports. Ebenfalls mit durchschlagendem Erfolg: 2005 errang Renault F1 gemeinsam mit Fernando Alonso beide WM-Titel. Und die Zeichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung stehen gut.

Facebook

Die Renault R.S. Monitor iPhone App