Der kleine Ort Montmeló im Umland von Barcelona ist zwar nicht New York – hat mit dem „Big Apple“ aber eines gemeinsam: „If I can make it here, I’ll make it anywhere“, heißt es in Frank Sinatras berühmtem Song. Exakt so geht es den Formel 1-Rennställen auf dem Circuit de Catalunya bei Montmeló. Die spanische Grand Prix-Strecke gilt als der ultimative Gradmesser für die Qualität eines Boliden. Wenn er hier funktioniert, hat das Team auf allen 20 Strecken des Kalenders gute Karten. Wer hier siegt, gehört definitiv zu den Titelanwärtern.
Hintergrund dieser hohen Wertschätzung ist das anspruchsvolle Layout: Die Strecke weist eine Reihe sehr schneller, extrem langgezogener Kurven auf. Paradebeispiel ist ausgerechnet die „Curva Renault“, ein endloser Rechtsbogen, der mit rund 240 km/h durchfahren wird. Hier müssen die aerodynamische Performance und Balance des Autos hundertprozentig stimmen. Andernfalls wird gnadenlos aufgedeckt, welcher Rennwagen zuwenig Abtrieb erzeugt oder wo ein Ungleichgewicht zwischen Vorder- und Hinterachse besteht. Außerdem setzen die Highspeed-Bögen den Reifen heftig zu. Nur mit einer perfekten Fahrwerksabstimmung und sauberer Fahrweise liefern sie den erhofften Grip über die Distanz.


Weil der Circuit de Catalunya wichtige Erkenntnisse liefert und die Spreu vom Weizen trennt, war er jahrzehntelang die bevorzugte Formel 1-Teststrecke. In den vergangenen Jahren hatte die Sporthoheit FIA die Testfahrten während der laufenden Saison jedoch verboten und erst 2012 wieder einen Termin zugelassen. Im italienischen Mugello probierten die Rennställe vom 1. bis 3. Mai ihre neuen Entwicklungen aus. Dabei erwies sich Romain Grosjean im Lotus-Renault E20 an beiden Tagen, an denen er im Auto saß, als Schnellster. Außerdem markierte er die Gesamtbestzeit des dreitägigen Tests gefolgt von Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull-Renault RB8.
Vor Beginn der aktuellen Saison diente der Circuit de Catalunya den Formel 1-Rennställen als Teststrecke zur Erprobung ihrer neuen Boliden. Die vier Partnerteams von Renault spulten hier insgesamt mehr als 10.000 Kilometer ab. „Durch die Höhenunterschiede im Gelände und die extrem langgezogenen Kurven fordert dieser Kurs uns Fahrern körperlich einiges ab. Die erste Kurve ist dafür ein gutes Beispiel: Wir beschleunigen vom Scheitelpunkt über den Kurvenausgang bis hinein in die Kurven zwei und drei – dadurch fühlt sich diese Passage an wie eine einzige endlose Kurve“, beschreibt Williams-Fahrer Pastor Maldonado. „Die seitlichen Fliehkräfte sind recht hoch, gleichzeitig steigt die Strecke auch noch an. Deshalb benötigen wir einen Motor, der eine relativ sanfte Drehmomentkurve aufweist, dabei aber genug Power für das ,Short Shifting‘ besitzt – also das Hochschalten vor der üblichen Schaltdrehzahl. Auf diese Weise können wir den Leistungseinsatz besser kontrollieren und die hohen G-Kräfte abfedern.“
Renault fuhr auf dem spanischen Grand Prix-Kurs bereits zahlreiche Erfolge und Siege ein und will auch am kommenden Wochenende das Tempo vorgeben: „Das Ziel ist es, unsere hervorragende Spanien-Bilanz fortzuführen. Red Bull konnte hier in den beiden Vorjahren gewinnen, und bei den vergangenen zehn Grands Prix von Spanien fuhren die Motoren von Renault sieben Mal auf das Podium. Dieses Rekordergebnis gilt es zu verteidigen“, erklärt Rémi Taffin, Leiter des Grand Prix-Teams von Renault Sport F1.
(Stand 05/2012, Irrtümer vorbehalten)

