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Viel versprechender Auftakt in „Down under“

Das Rätselraten fand in Melbourne (endlich) ein Ende: Beim Qualifying zum Großen Preis von Australien deckten die Formel 1-Teams erstmals ihre Karten auf. Und Titelverteidiger Sebastian Vettel sollte erkennen: So souverän wie im Vorjahr würde sein Start in die neue Saison vermutlich nicht verlaufen. Der Heppenheimer musste sich mit seinem Red Bull-Renault mit Startplatz Nummer sechs begnügen – noch hinter seinem Teamkollegen Mark Webber und dem Lotus-Renault von Grand Prix-Rückkehrer Romain Grosjean. Götterdämmerung in Australien?

Mitnichten. Vettel war der erste, der Fehler einräumte: „Ich hätte mehr aus der letzten Qualifying-Runde herausquetschen können“, bekannte der jüngste Doppel-Champion aller Formel 1-Zeiten und ließ erkennen, dass er mit der Balance seines Rennwagens noch nicht zufrieden war. Andere Partnerteams von Renault hatten da deutlich mehr Grund zum Jubeln – allen voran natürlich Grosjean, mit dem niemand auf dem dritten Startplatz gerechnet hatte. Sein Teamkollege Kimi Räikkönen, nach zwei Jahren in der Rallye-Weltmeisterschaft ebenfalls zurück in der Königsklasse des Motorsports, blickte weniger glücklich drein: Der 32-Jährige rodelte mit seinem Lotus-Renault nach einem Fahrfehler im ersten Qualifying-Drittel durchs Kiesbett. Startplatz 18 war das Ergebnis.

Freudige Gesichter indes beim neuen alten Partner Williams: Pastor Maldonado stellte seinen Williams FW34-Renault in die vierte Startreihe – auch dies ein unerwartetes Resultat. Und mit Rang 19 und 20 bewiesen die beiden Caterham- Piloten Heikki Kovalainen und Vitaly Petrov, dass sie dank Renault RS27-Achtzylinder-Power unter den drei neuen Formel 1-Teams auch weiterhin den Ton angeben würden.

Doch für das Qualifying gibt es bekanntlich keine WM-Punkte. Die werden wie immer im Rennen verteilt – und hier drehte auch Sebastian Vettel wieder auf wie ein Champion.

Das Beschleunigungsduell bis zur ersten Kurve geht klar an Jenson Button, der sich an seinem McLaren-Teamkollegen Lewis Hamilton vorbeipressen kann und die Führung übernnimmt. Vettel schnappt sich erst Mark Webber, dann Nico Rosberg und ist schnell Vierter hinter seinem Freund Michael Schumacher – trotz einer kleinen Offroad-Exkursion in Runde sechs. Als der Rekord-Weltmeister seinen Boliden wenig später mit einem Getriebeproblem abstellen muss, ist der Weg frei für die Aufholjagd des 24-jährigen Deutschen. Klar wird: Nur Vettel ist in der Lage, das hohe Tempo der McLaren mitzugehen. Aber er kann den Rückstand auf Hamilton kaum verkürzen.

In Runde 36 gehen beide McLaren fast zeitgleich an die Box, damit übernimmt der Red Bull-Star kurzfristig die Führung – als das Safety-Car auf die Strecke geht, um die Bergung des gestrandeten Caterham von Vitaly Petrov zu sichern. Vettel nutzt die Gunst der Stunde und greift nun seinerseits neue Reifen auf – und kehrt vor Hamilton in den Rennbetrieb zurück. Ein gelungener Schachzug: Damit hat der Hesse Platz zwei erobert. Er wird sie bis ins Ziel nicht wieder abgeben. „Das war das Maximum, das wir heute erreichen konnten“, gibt sich der amtierende Weltmeister bescheiden. „Auch ohne das Safety-Car hätten wir eine gute Chance auf Platz zwei gehabt. Wir haben eine Menge Punkte geholt. Unser Red Bull-Renault besitzt großes Potenzial.“

Und die anderen Teilnehmer mit Renault RS27-Achtzylinder im Heck? Mark Webber erwischte einen schlechten Start, konnte sich danach aber wieder bis auf die vierte Position hinter Hamilton vorkämpfen. Pastor Maldonado im Williams-Renault glänzte auch im Rennen mit einer starken Vorstellung und setzte tapfer den Ferrari von Fernando Alonso unter Druck – bis zur letzten Runde. Da verlor der Venezolaner seinen Boliden auf einem Randstein aus der Kontrolle und kollidierte heftig mit der Streckenbegrenzung.

Maldonados mächtiger Abflug sorgte auch hinter ihm für gehöriges Durcheinander, das Rennfuchs Kimi Räikkönen zu seinen Gunsten nutzen konnte: Der fliegende Finne überrumpelte im Chaos noch schnell den Sauber von Sergio Perez, um seine Aufholjagd – von der 18. Position kommend – auf Rang sieben zu beenden. Räikkönens Teamkollege Grosjean hatte seinen Lotus-Renault schon in Runde zwei mit abgeknicktem Vorderrad abstellen müssen, als er sich mit Maldonado nicht über die Vorfahrt einigen konnte. Bruno Senna wird unbelohnter 16., während beide Caterham-Renault mit technischen Defekten an der Lenkung beziehungsweise der Radaufhängung aufgeben mussten.

(Stand: 18.3.2012, Irrtümer vorbehalten)

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