Wo Stéphane Couderc seine Nase hineinsteckt, geht‘s scharfen Gerüchen oder unangenehmen Ausdünstungen sogleich an den Kragen: Der Franzose zeichnet für die Innenraum-Luftqualität der Modelle von Renault verantwortlich. Ein Job, der neben hoher technischer Qualifikation noch außergewöhnlichere Talente verlangt: Couderc könnte mit seinem hochpräzisen Riechorgan auch in der Parfüm-Industrie eine Anstellung finden. Denn dort sind so genannte „Nasen" ebenfalls gefragt.
Doch das Herz des „Customer Service Pilot" (CSP) hängt am Automobil. Gemeinsam mit seiner Arbeitskollegin Catherine Pachot widmet er sich den Ausdünstungen und Gerüchen, die im Interieur von Renault Modellen auftreten - und agiert in dieser Funktion praktisch als Verbraucheranwalt, der die Interessen der Kunden gegenüber den Entwicklern und Ingenieuren vertritt. Keine leichte Aufgabe: Oftmals müssen die CSP erst einen Weg finden und definieren, um subjektive Eindrücke in messbare Werte zu übersetzen. Nur dann kann das Erschnupperte als Verbesserung in den Herstellungsprozess einfließen.
Die Bedürfnisse der Autofahrer lassen sich dabei schnell formulieren: Die Passagiere an Bord wünschen sich eine gesunde Luft ohne störende Düfte und mit möglichst wenig Ablagerungen auf den Innenseiten der Scheiben, das so genannte „Fogging". Was aber nun sind angenehme, was unangenehme Gerüche? Wo kommen sie her? Und wie lassen sie sich beeinflussen?
„Die Qualität der Innenraumluft hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab", erläutert Couderc seine Aufgabe. „Sie wird zum Beispiel maßgeblich von der Qualität der Außenluft beeinflusst. Speziell in langsamem Stadtverkehr spielt dies eine große Rolle, wenn die Abgase sich stauen. Aber es kommt auch auf die Zusammensetzung und Beschaffenheit der Materialien an, die im Interieur verwendet werden. Nicht zuletzt reden wir auch davon, wie gut das Fahrzeug abgedichtet ist - zum Beispiel gegenüber dem Motorraum oder der Abgasanlage. Hier sorgen wir bereits in der Konstruktionsphase für das notwendige Bewusstsein und finden so eine Lösung."
Der junge Ingenieur geht klar strukturiert vor: Entsprechend den Anforderungen der Außenluft etwa dimensioniert er die Größe und Güte jener Filter, die in der Heizungsanlage zum Beispiel auch Allergien auslösende Pollen absorbieren. Schwieriger wird es beim Thema Geruchsbelästigung und Fogging. „Unser Ziel ist es, ein möglichst neutrales Geruchsniveau zu garantieren", so Couderc. Nichts lässt der Franzose dabei im Innenraum unbeachtet: Vom Armaturenbrett über die Sitze und Polsterstoffe bis hin zu Teppichen und der Dachverkleidung werden alle Einrichtungsgegenstände genauestens geprüft, aus welchen Materialien sie bestehen und welche Ausdünstungen zu erwarten sind. „Dank aufwändiger Analysen kennen wir heute jene Stoffe ganz genau, die sensibel sind für die Nase. Wir wissen exakt, wodurch sich etwa ein aus unserer Sicht ,gutes‘ Polypropylen auszeichnet."
Mit diesen Erkenntnissen hält Couderc nicht hinter dem Berg. Ganz im Gegenteil: Da ein Großteil des Interieurs heute aus der Hand von Zulieferern stammt, pflegt der CSP engen Kontakt mit diesen Systempartnern von Renault. „Wir schreiben dabei niemanden vor, welche Materialien er einsetzen muss", erläutert der Spezialist seine Vorgehensweise. „Die Zulieferer behalten die volle Verantwortung über ihre Produkte. Aber wir weisen rechtzeitig darauf hin, wenn Probleme zu erwarten sind, und machen kritische Stoffe bekannt - wie zum Beispiel eine spezielle Substanz auf Basis von Aminen, die in der Ausschäumung der Sitze Ausdünstungen verursachte. Hier hat unser Partner inzwischen eine andere, bessere Lösung gefunden."


